Hochsensible Kinder Teil 3 – Kita oder lieber nicht?
Im Tierpark

Hochsensible Kinder Teil 3 – Kita oder lieber nicht?

 

 

 

 

Wenn aus Babys Kinder werden, lösen sie sich immer mehr von ihrer Bezugsperson. Sie werden selbstbewusster, mutiger und mobiler.
Das gilt natürlich auch für hochsensible Kinder. Mit zunehmendem Sprechvermögen werden sie dich immer mal wieder überraschen.

Ich weiß noch, wie wir mal im Auto saßen und meine Tochter plötzlich aus dem Fenster zeigte. Sie war vielleicht 2 Jahre alt und fragte, was “das“ sei. Ich suchte und suchte, was sie meinen könnte und zählte alles auf, was ich sah. Von ihr kam immer nur “nein, das da“. Sie würde richtig wütend und verzweifelt, weil sie nicht genauer ausdrücken konnte, was sie meinte und ich sie einfach nicht verstand. Irgendwann entdeckte ich eine kleine schwarze Amsel, ganz oben, zwischen den Blättern…das war es gewesen! Sie hatte den kleinen Vogel sofort und ganz selbstverständlich gesehen und wollte wissen, was das ist. Sie konnte nicht verstehen, dass alle anderen den Vogel einfach nicht entdeckt hatten.

Kinder brauchen Kinder

Spätestens in diesem Alter fangen Kinder auch an, sich mehr mit anderen Kindern zu beschäftigen. Sie suchen und brauchen die Gesellschaft von anderen Kindern.
Gerade hochsensible Kinder sind häufig eher introvertiert und haben Schwierigkeiten, Kontakt mit anderen Kindern aufzunehmen. Sie brauchen länger , als andere um sich an eine neue Situation, oder Umgebung zu gewöhnen und wenn sie soweit sind, sich zu trauen, haben die anderen schon längst zu spielen begonnen.

Kita – ja oder nein?

Für hochsensible Kinder ist daher die Kita oft eine große Herausforderung. Die Trennung von der stabilisierenden Bezugsperson ist schwerer, als bei anderen Kindern, die Menge an Reizen (Geräusche, Gerüche, sozialer Kontakt) ist viel größer, als in der vertrauten Umgebung und der Umgang mit so vielen Personen, häufig ohne richtige Rückzugsmöglichkeiten, strengt hochsensible Kinder unglaublich an.
Trotzdem bietet sie auch viel Positives und bereitet auf den nächsten großen Schritt (die Schule) vor.

Die Eingewöhnung ist oft schwierig, da es hochsensiblen Kindern noch schwerer fällt, sich von ihren Bezugspersonen zu lösen, als nicht hochsensiblen Kindern. Da sie sehr viel wahrnehmen, ist es auch schwerer, sie abzulenken. Sie nehmen außerdem häufig auch noch Stimmungen sehr gut wahr und sind daher von vornherein angespannt, weil sie die Anspannung der Eltern spüren.

Oft klappt daher die Eingewöhnung tatsächlich besser, wenn der weniger involvierte Elternteil die Eingewöhnung übernimmt.

Emotionen und Abgrenzung

Dazu kommt, das hochsensible Kinder schnell von der Lautstärke, der Menge an Menschen und Reizen überfordert sind.
Hochsensible Kinder sind häufig sehr empathisch. Es ist daher sehr anstrengend für sie, die ganzen verschiedenen Stimmungen und Emotionen, die sie aufnehmen, zu verarbeiten. Es fällt ihnen sehr schwer, zu verstehen, dass nicht alle Menschen so viel wahrnehmen, wie sie selbst. Sie erwarten, dass andere ihre eigenen Stimmungen genauso gut wahrnehmen. Die eigenen Bedürfnisse deutlich zu äußern fällt ihnen oft sehr schwer.
Unter Umständen – ja nach Temperament – kann es passieren, dass gerade hochsensible Kinder plötzlich anfangen aggressiv zu reagieren, um sich durchzusetzen. Das liegt einerseits daran, dass sie von der wuseligen Situation in der Kita schon gestresst und angespannt sind und deshalb überreagieren. Andererseits kann es sein, dass es ihnen schwerfällt die Stärke der Reaktion abzuschätzen. Sie schießen dann sozusagen über das Ziel hinaus.

Hilfe, plötzlich Egoist!

Zuhause ist es häufig so, dass gerade hochsensible Kinder anfangen, nur noch sehr wenig Empathie zu zeigen und sehr willensstark und jähzornig zu sein.

Was wie purer Egoismus wirkt, ist in der Regel einfach der Versuch, im vertrauten Rahmen, die eigenen Grenzen kennen zu lernen und auszutesten, sowie der Versuch wenigstens zuhause die Kontrolle zu behalten.
Je weiter sich die sprachlichen Fähigkeiten entwickeln, desto leichter wird es für die Kinder ihre Bedürfnisse zu äußern.

Kleine Kontrollfreaks

Kontrolle ist generell ein wichtiges Thema für hochsensible Kinder. Beim Versuch, die Reizflut irgendwie in den Griff zu bekommen, neigen Hochsensible (Erwachsene genauso, wie Kinder) dazu, ihren Alltag möglichst weit im Voraus zu planen.
Die Hochsensiblen unter euch kennen das vielleicht – man hat eine Vorstellung davon, wie der Tag in etwa ablaufen soll, z.B. nach Feierabend den Abend mit einem Buch auf der Couch verbringen. Kommt dann der Partner (oder jemand anderes) und möchte spontan etwas unternehmen, ist der erste Impuls Ablehnung. Dann setzt sich jedoch das Gedankenkarussell in Bewegung. Man fängt an darüber nachzudenken und umzuplanen und nach einer Weile – sobald der neue Plan im Kopf steht – kann man sich doch darauf einlassen.
Bei uns zuhause ist es so, dass mein Mann schon möglichst früh, ganz nebenbei, fallen lässt, dass er später gerne dieses, oder jenes machen würde. So habe ich Zeit, den Gedanken schon mal in meinem Kopf zu drehen und zu wenden. Wenn er mich dann später nochmal fragt, habe ich das Ganze schon komplett durchdacht und kann ganz direkt sagen, ob ich das machen möchte, oder nicht.

Genauso ist es bei hochsensiblen Kindern, sie haben ihren Plan im Kopf und es fällt ihnen schwer, sich auf etwas anderes einzustellen. Sie sind allerdings noch nicht geübt darin, umzuplanen und versuchen daher ihre Vorstellung um jeden Preis umzusetzen – besonders anstrengend, wenn man selbst mal krank ist. Man hat dann häufig das Gefühl, das Kind zeigt keinerlei Verständnis, sondern fordert einen im Gegenteil besonders.
Das tut das Kind tatsächlich, jedoch nicht, weil es kein Verständnis hat, sondern weil es unbedingt den vertrauten Alltag aufrecht erhalten möchte. Es macht ihm nämlich Angst, wenn plötzlich etwas verändert.
Viele hochsensible Kinder reagieren regelrecht hysterisch, oder panisch wenn etwas nicht so läuft, wie sie es sich ausgemalt haben.

Auf Spannung folgt Entspannung

Viele hochsensible Kinder sind nach der Kita sehr müde und abweisend. Nach dem Abholen wollen sie erstmal nur ihre Ruhe haben und reden eher wenig. Erst am Abend, wenn sie alle Eindrücke in Ruhe verarbeiten konnten, fangen sie an, zu erzählen, was alles passiert ist.
Natürlich muss das nicht auch sein. Ich kenne auch hochsensible Kinder, die nach der Kita reden, wie ein Wasserfall, die meisten (die ich kennen gelernt habe) brauchen allerdings eine Weile, bevor sie anfangen zu reden.

Die Kita- Frage

Die Frage ist jetzt natürlich, sollte ein hochsensibles Kind überhaupt in die Kita gehen, wenn das doch so eine große Herausforderung ist?
Ich glaube definitiv ja, denn die Erfahrungen, die es dort macht sind unglaublich wichtig für die weitere Entwicklung. Auch hochsensible Kinder müssen einen Weg finden, mit anderen zu interagieren. Sie müssen lernen, das nichts Schlimmes passiert, wenn der Tagesablauf sich ändert und sie müssen lernen, dass sie auch anderen Menschen (außer den engsten Bezugspersonen) vertrauen können.
Wenn sie das alles nicht schon in der Kita lernen können, wird der Eintritt in die Schule unglaublich schwer.

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Das Thema Schule und was für Herausforderungen dort auf hochsensible Kinder warten, erwartet euch nächste Woche, im 4.Teil…

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