Hochsensible Kinder Teil 4 – die Schule geht los

Hochsensible Kinder Teil 4 – die Schule geht los

Jetzt ist es also soweit – das hochsensible Kind kommt in die Schule.

Tatsächlich ist das für mich der Altersbereich, mit dem ich mich am Besten auskenne. Schließlich arbeite ich seit 10 Jahren in der Schule, hauptsächlich mit Erst- und Zweitklässlern.

Der Übergang in die Schule wird von den meisten Kindern sehnsüchtig erwartet und das ist auch gut so.
Allerdings entpuppt sich die Schule bei den meisten Kindern als ganz anders, als erwartet.
Kein Kind rechnet damit, dass es ab sofort absolut fremdbestimmt funktionieren soll. Dementsprechend gibt es bei fast allen Kindern nach ein paar Wochen einen mehr oder weniger großen Einbruch. Sie wollen lieber wieder zurück in die Kita und finden Schule doof.
Das ist auch verständlich, plötzlich sollen sie nur noch machen, was laut Stundenplan gerade Thema ist, sollen ständig sitzen – natürlich ohne zu reden – zuhören und sich konzentrieren, doch selbstständig an- und ausziehen und und und…
Das ist für jedes Kind schwer; für hochsensible Kinder kommen aber noch andere Hürden dazu:
Die Gruppe ist größer als in der Kita – hier in Berlin sind Klassenstärken von 25 Kindern die Regel, häufig mit Altersmischung – dennoch gibt es weniger Platz als in der Kita, normalerweise nur den einen Klassenraum. Es gibt also noch mehr Kinder mit denen man sich auf engerem Raum arrangieren muss, als vorher.
Damit zusammenhängend ist der Lautstärkepegel häufig höher, ohne die Möglichkeit, sich zu entziehen.
Insgesamt gibt es über den Tag verteilt kaum Möglichkeiten, sich zurückzuziehen und zur Ruhe zu kommen.
Es wird in der Regel wenig darauf geachtet, was die einzelnen Kinder für Bedürfnisse haben. Überspitzt gesagt, ist in erster Linie wichtig, dass die Kinder den Anforderungen entsprechen, sozusagen funktionieren.
Es gibt oft einfach keine Zeit hinzugucken, was das einzelne Kind gerade braucht.
Außerdem kann es für hochsensible Kinder anstrengend sein, auf so engem Raum den Emotionen anderer ausgesetzt zu sein – vor allem bei Streitigkeiten und Aggressionen.

Andererseits gibt es auch einige Aspekte, die gerade hochsensiblen Kindern entgegenkommen – dazu gehört unter anderem, der stark strukturierte Tagesablauf. Gerade hochsensible Kinder mögen es oft, immer genau zu wissen, was als nächstes kommt und was von ihnen erwartet wird.

Da viele hochsensible Kinder eher introvertierter sind, fällt es ihnen oft leicht, im Unterricht ruhig und konzentriert zu sein. Einige empfinden es sogar als Wohltat, sich in Ruhe, ohne reden zu müssen auf eine Aufgabe konzentrieren zu dürfen.
Es gibt also, wie fast immer, sowohl positive, als auch negative Aspekte der Institution Schule.

Schließlich spielt auch die Schulform eine Rolle. Ganztagsschulen z.B. können unter Umständen sehr anstrengend für hochsensible Kinder sein, einfach dadurch dass der Tag sehr lang ist. Ist eine Betreuung nach der Schule nötig, oder kann das Kind nach Unterrichtsschluss nach Hause kommen? Gehen Kitafreunde in die gleiche Schule?

Es gibt häufig so viele verschiedene Möglichkeiten. Ihr solltet daher- sofern die Möglichkeit besteht – genau überlegen, welche Schule zu eurem Kind passt.

Hört auf euer Bauchgefühl und guckt euch die Schulen vorher an – es gibt an den meisten Schule so etwas, wie einenTag der offenenTür. Nutzt das –  stellt Fragen und macht euch ein eigenes Bild.

 

 

 

 

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